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Mina - Kulturmagazin - Einblick Wissens-Häppchen

ANZEIGEN Wir Rahmen ihre Bilder! Hochstraße 59 · Elberfeld · Tel.: 0202/312239 www.galerie59.de Keiner darf im Mantel über die Bühne laufen – das heißt nämlich, dass man ab­ reist. Und wer während einer Produktion abreist, bringt natürlich Unglück. Im Theater wird nicht gepfiffen. Früher, als noch Gasscheinwerfer benutzt wurden, waren Vogelkäfige unter der Bühne platziert. Sobald Gas ausströmte und dadurch Gefahr drohte, pfiffen die Vögelchen. Eine ungeschriebene Regel lautet: Man isst keine Requisiten, es sei denn, die Rolle erfordert es explizit. So durfte beim Wup­ pertaler „Don Giovanni“ Leporello in einer Szene den gebratenen Hühnerschenkel es­ sen, während der Rest des Ensembles hin­ ter der Bühne Hunger leiden musste. Im Opernhaus werden ständig fachspezi­ fische Abkürzungen verwendet, die für Außenstehende fremd und bizarr klingen. Denkbar ist etwa folgender Satz: „Hat das KBB schon die HP1 und BO für die UA im TaE disponiert? Der GMD hat gefragt.“ Soll heißen: „Hat das Künstlerische Betriebs­ büro schon die erste Hauptprobe und die BühnenorchesterprobefürdieUraufführung im Theater am Engelsgarten disponiert? Der Generalmusikdirektor hat gefragt.“ Die wichtigste Person während einer Opernvorstellung ist der Inspizient bzw. die Inspizientin hinter der Bühne. Er gibt Anweisungen, wann was gemacht wird, ruft die Sänger rechtzeitig zu ihren Auftritten auf, gibt Zeichen, wann die Techniker die Bühne umbauen sollen, wann der Vorhang geschlossen wird, wann das Licht wechselt oder Videoprojektionen beginnen. Meistens hat der Inspizient mehrere Monitore und Kameras, mit deren Hilfe er die Bühne aus der Publikumsperspektive überblicken und in den Orchestergraben gucken kann. Er­ staunlicherweise ist die Tätigkeit des Inspi­ zienten in Deutschland kein Ausbildungs­ beruf.MeistübernehmenehemaligeSänger, Tänzer oder Schauspieler diesen Posten. „Die Schwarzen kommen auf die Bühne“ ist nicht etwa eine rassistisch gemeinte Auf­ forderung des Inspizienten, sondern meint vielmehr: Jetzt soll das schwarz gekleidete Kreativteam zum Applaus auf die Bühne. Regisseur oder Choreograph, Dirigent, Kos­ tüm­undBühnenbildnersindoftinSchwarz gekleidet und deshalb sonst auf der Bühne quasi unsichtbar. Alles, was auf der Bühne nicht zu sehen sein soll, ist in lichtschlu­ ckendemSchwarzgehalten. Überhaupt Leporello: In Mozarts Oper „Don Giovanni“ ist er der Diener des gleich­ namigen Herrn – und nach ihm ist tatsäch­ lich das lange, z­förmig gefaltete Blatt oder Buch benannt: ein Leporello. Denn der Die­ ner führt für Don Giovanni eine Liste von dessen Liebschaften, die er auf ein großes Faltblatt geschrieben hat. Dieses klappt er in der Oper auseinander, während er die Zahlen vorliest bzw. singt: „In Italien sechs­ hundertvierzig, in Deutschland zweihun­ derteinunddreißig, hundert in Frankreich, in der Türkei einundneunzig, jedoch in Spanien sind es schon tausenddrei.“ Wer „Macbeth“ sagt, muss fünfmal um das Theaterherumlaufen,umden„Fluch“wieder aufzuheben. Statt die Tragödie von William Shakespeare oder die Oper von Giuseppe Verdi bei ihrem Namen zu nennen, sagt man vorsichtshalber nur „Das schottische Stück“ oder „Das Stück mit dem Schotten“. Wer vor einer Premiere alles Gute wünscht, muss über die linke Schulter spu­ cken (mit einem „pft pft pft“­Geräusch) oder „Toi, toi, toi“ sagen. Der Bespuckte bzw. Beglückwünschte darf nicht danke sa­ gen, sondern etwas wie „wird schon schief­ gehen“. Auch bringt es Unglück, „Toi, toi, toi“ zu wünschen, bevor alle in Kostüm und Maske sind. Bei der Generalprobe darf man sich nicht verbeugen – auch nicht, wenn Zuschauer im Publikum sitzen –, sondern erst bei der Premiere. Geklatscht werden darf aber immer. Im Falle eines Bühnenbrands lässt die Sprühflutanlage der Wuppertaler Bühnen auf einen Schlag mehr als 1.000 Kubikmeter Wasser auf die Opernbühne platschen. BO für die UA im TaE Auf der Bühne ist Aberglaube weit verbreitet. So gelten dort einige skurrile Regeln, deren Ursprung sich nicht immer vollständig klären lässt. Einblick Wissens­Häppchen | von Anne Grages und Janina Waschkowski 01.2015 10 01.201510

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