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Mina - Kulturmagazin - Jubiläum Bergische Musikschule wird 50

Auf der Bühne stand die Schülerband. Sie coverte Songs der Rockband Scorpions. Wer das Original kannte, wusste, wie meilenweit die Kopie davon entfernt war. Aber irgend­ wie spielte das keine Rolle, irgendwie waren die fünf Jungs auf der Bühne cool, fast Stars, angesagt bei den Mädchen und beneidet von den vielen anderen Jungs in der Schul­ cafeteria. Was die da auf der Bühne sich trauten, würden sie niemals wagen. Musik kann Menschen verändern. Renate Schlomski (54) weiß das. Sie leitet die Bergi­ sche Musikschule und beobachtet jeden Tag, wie Musizieren auf ihre Schüler wirkt. „Das Selbstbewusstsein, das sich die Kinder hier holen, hält ein Leben lang“, sagt sie. Dieses Selbstvertrauen zu bekommen, ist harte Arbeit. Die Lehrer der Bergischen Musik­ schule, die in diesem Jahr 50. Geburtstag feiert, forcieren von Beginn an, dass die Schüler vor Publikum auftreten. So bleiben sie unbefangen. Ausnahmen gibt es sicher, aber es sind wenige. „Meine Tochter er­ zählt mir heute noch, wie sehr ihr das in ihrer Ausbildung geholfen hat, als sie Vor­ träge halten musste, sagt Renate Schlomski. Pssst, das Kind übt Die Bergische Musikschule feiert in in diesem Jahr 50-jähriges Jubiläum. Leiterin Renate Schlomski über Musizieren, Selbst- vertrauen und Gemeinschaftsgefühl. Ein Instrument spielen lernen, ist manchmal anstrengend. Stundenlanges Wiederholen ein und derselben Tonfolge. Immer wieder die schwierige Stelle üben, an der ein Fin­ ger die falsche Saite oder die falsche Taste drückt. Stücke, die dem Lehrer gefallen, aber nicht dem Schüler. Viele Stunden Bach, während die Freunde draußen Ball spielen. Dafür gibt Musik mehr zurück als jeder PC. Sie stärkt den Menschen und dessen soziale Kompetenz. Wer in einem Orchester oder in einer Band spielt, überlegt sich gut, ob er dauernd zu spät kommen kann. Und wer regelmäßig beim Vorspielen gefordert ist, vermeidet es in der Regel auch, sich, seine Familie und seinen Musiklehrer zu blamie­ ren. „So ein Hinweis hilft, wenn ein Schüler mal nicht mehr richtig üben will“, sagt die Schulleiterin. Erinnerungen wecken Das Wichtigste aber ist das Selbstvertrauen, dicht gefolgt vom Gemeinschaftsgefühl, das Musizieren erzeugen kann. Ein Beispiel da­ für ist das Schulprojekt „SingPause“, an dem mittlerweileachtWuppertalerGrundschulen mit insgesamt etwa 2.000 Schülerinnen und Schülern teilnehmen. „Die Kinder brauchen keinInstrument,siehabenihreStimme.Und siesindmiteinerwunderbarenLeidenschaft dabei.“ Erstaunlich ist außerdem, dass die Grundschüler nach verhältnismäßig kurzer ZeitinderLagesind,vomNotenblattzusingen. Und noch etwas kann Musik. Sie kann Erin­ nerungen wecken. Die Bergische Musikschu­ leist heute regelmäßig auch in Altenheimen unterwegs. „Da kann man richtig sehen, wie die Musik wirkt. Die Menschen erinnern sich an Melodien, ihnen fallen Texte wieder ein. Das ist sehr schön“, sagt Schlomski. Übung macht den Meister Auch die heutige Leiterin der Schule ist mit Musik aufgewachsen. In den Zeiten, in de­ nen die Beatles und die Rolling Stones auch in Deutschland die Hitparaden eroberten, war die damals sieben Jahre alte Renate ein Neuling am Klavier. „Es stand bei meiner Großmutter. Oma rief mich jeden Tag zum Üben.“ Damals hätten die Kinder ja noch viel draußen gespielt. Ab 18 Uhr allerdings nicht mehr, zumindest Renate nicht. „Bei meiner Oma waren die Türen immer offen. Wenn dann aber nach sechs jemand hinein­ kam, machte sie ,Psst’ und flüsterte: ,Das Kind übt’.“ Es hat genutzt. Es herrschte Ruhe, Renate Schlomski konnte ihr Hobby zum Beruf machen und hat auch sonst sehr vom Musizieren profitiert. So wie ihre Schüler heute. „Musik erleichtert lernen“, sagt sie. „Sie hilft, Kompetenzen zu stärken.“ Aber Musizieren brauche Zeit, um sich entwickeln zu können. „Das ist kein Computerkurs, der nach drei Monaten zum Erfolg führt“, erklärt Renate Schlomski. Jubiläum Bergische Musikschule wird 50 | von Lothar Leuschen Bücher, was sonst! Buchhandlung.v.Mackensen Friedrich-Ebert-Straße/ Ecke Laurentiusstr.12 42103Wuppertal-Elberf. Telefon: 0202/304001 Telefax: 0202/305911 post@mackensen.de www.mackensen.de einfach LESENSWERT Das neue Magazin ab 12.März erhältlich! 01.201511

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