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Mina - Kulturmagazin - Heimat Galeristin Nicole Bardohl

Berlin, L.A., Hofaue Nicole Bardohl tauschte ihren Glamour-Job beim Film in Berlin gegen eine eigene Galerie in Wuppertal. Am Anfang hatte sie mehr Käufer in Los Angeles als in ihrer Heimatstadt. EndeAprilsindbeispielsweisediekinetischen Objekte und Lichtmaschinen des Wupperta­ lers Sala Seddiki in der Galerie Kunstkom­ plex zu sehen. Der Anfang war mühsam. Geschäftlich, aber auch, weil Wuppertal im Alltag nicht ganz so reizvoll ist und Nicole Bardohl den Champagner­Glamour von Berlin doch manchmal vermisst. „Aber nach den fetten Berliner Jahren hat mich der Schritt in die Selbstständigkeit richtig geerdet. Ich weiß jetzt wieder, was wirklich wichtig ist, gehe etwa anders mit Verschwendung um.“ Magische Momente Der Spaß an der Kunst kam mit den Messen. „DerErfolg,dendieGalerieaufMesseninKöln, Berlin und vor allem Los Angeles feiert, schwappt langsam auch nach Wuppertal“, sagt die Galeristin, die erst im Januar wieder in Kalifornien war. „Dort gilt Kunst nicht als so elitär wie hier, sondern gehört zum Alltag wie Schuhe und Pizza.“ Anfangs hatte sie mit denselben Künstlern mehr Kunden in L.A. als in Wuppertal – „nur so konnte ich mir mein ,Stammhaus‘ in Wuppertal leisten“. Doch mittlerweile verzeichnet sie auch in ihrer Heimat mehr Verkäufe an lokale Kunden. Trotz der Durststrecken macht ihr „der Job unglaublichen Spaß, weil er so vielseitig ist: Ausstellungen organisieren, Künstler betreu­ en, Messebeteiligungen und Kooperationen im Ausland“. Außerdem gibt es immer mal jene magischen Momente, in denen Kunst und Publikum von selbst zusammenfinden. Beim Langen Tisch zeigten Studierende der Folkwang­Hochschule die sechsstündige Per­ formance­Installation „Slotmachines”: Vier Performer standen unbeweglich auf einzel­ nen Sockeln, wenn jemand einen Euro ein­ warf, konnte sich ein Performer 60 Sekun­ den lang frei bewegen. „Diese Performance hat alle angesprochen“, sagt Nicole Bardohl. „Zwölfjährige Jungs haben vor Begeiste­ rung ihr ganzes Taschengeld eingeworfen, aber das ging quer durch die Bevölkerungs­ gruppen und Religionen.“ „Fast jeden Abend im Borchardts zu sitzen und Champagner zu trinken, wurde mir einfach zu langweilig“ – klingt schwer snobistisch, was Nicole Bardohl erzählt, ist aber leicht nachvollziehbar. Denn die ge­ bürtige Wuppertalerin war bis vor vier Jah­ ren bei Senator­Film in Berlin als „head of production“fürdieAuswahlundUmsetzung von Drehbüchern verantwortlich. Filmleute haben immer einen Abschluss oder eine Premiere zu feiern, doch als Arbeitsabend erschöpft sich der Reiz daran ziemlich bald – selbst im angesagtesten Berliner Promi­ Restaurant. „DerJobwarsuper“,sagtdie38­Jährige,„aber die Oberflächlichkeit wurde mir zu viel. Ich wollteweg.“Siewollte„zurückindieHeimat und zur Familie. Außerdem fand ich Wup­ pertal immer toll, wenn ich am Wochenende hier war.“ Und weil die Stadt kaum Galerien hat, die eigene Künstler vertreten, und sie für ihren Freund, einen französischen Künst­ ler, bereits einige Ausstellungen organisiert hatte, kam sie auf die Idee: Vielleicht braucht Wuppertal mehr Galerien – und eröffnete 2010 die Galerie Kunstkomplex in der Hofaue. Was wirklich wichtig ist „Wir haben uns wohl nicht wirklich gefragt, warum Wuppertal so wenig Galerien hat“, sagt die gelernte Werbekauffrau heute und lacht. Generell sei sie keineswegs so blauäu­ gig, habe sich beim Film schließlich auch um die Finanzplanung gekümmert. „Doch beim Start war ich wohl etwas naiv.“ Denn Wuppertal ist kein leichtes Pflaster für mo­ derne Kunst. Wer im Bergischen Kunst sammelt, neigt zum Einkaufen in Düssel­ dorf oder Köln – klingt ja schicker. Doch Nicole Bardohl stellte sich von Anfang an international auf und vertritt heute welt­ exklusiv zwölf internationale Künstler aus den USA, Australien, Belgien, Schweden, Polen, Frankreich und Deutschland, hat zu­ dem eine Kooperation mit einer New Yor­ ker Galerie. Doch sie verliert auch die ein­ heimische Szene nicht aus dem Blick. Bis Nicole Bardohl, Galerie Kunstkomplex: „Die Selbstständigkeit in Wuppertal hat mich geerdet“ 01.201521 Heimat Galeristin Nicole Bardohl | von Anne Grages 01.201521

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