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Mina - Kulturmagazin - International Ian Anderson

Lachszucht und Stützstrümpfe Sex, Drugs and Rock‘n‘Roll – dieser Dreiklang ist nichts für Rock-Superstar Ian Anderson. Die Musik ist ok, das andere nicht. Der Brite, der eine Lachs- farm betrieben hat und auf seinem Herrensitz Chilis anbaut, ist ein witziger Plauderer mit einem Faible für Zahlen. Er war so früh so vernünftig, „weil dauernd Leute gestorben sind“, sagt Ian Anderson. „Charlie Parker, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison – viele habe ich noch erlebt, und dann waren sie tot. In meinem ganzen Berufsleben war mir klar, dass die Leute, die auf diesen verrückten Trip gehen, keine Zukunft haben.“ Er lächelt: „Nein, bis jetzt habe ich keine Drogen genommen – aber mit 50­prozenti­ ger Wahrscheinlichkeit werde ich das noch. Es ist doch ziemlich wahrscheinlich, dass ich mein Leben auf einem Morphiumtrip beende, weil ich mindestens eine Krebsart bekomme. Wir leben ja heute so lange, dass die Chance, Krebs zu bekommen, bei 50 Pro­ zent liegt. Früher lag sie bei einem Drittel.“ Lachse und Chilischoten Es sieht so aus, als sei Ian Anderson immer seinem eigenen Kopf und seinem eigenen Rhythmus gefolgt – was ihm offensichtlich gut bekommt. Der Musiker hat ein Faible für Zahlen, was sicher hilfreich war, als er mehrere Lachsfarmen in Schottland be­ trieben hat. Erst haben ihn die Leute dort angefeindet, doch als sie merkten, dass er sich ernsthaft damit befasst und 400 Leute beschäftigt, wandelte sich die Stimmung. Das Unternehmen lief gut, war in den spä­ ten 90er­Jahren 10,7 Millionen Pfund wert. Doch mittlerweile macht Anderson wieder mehr Musik und lebt mit seiner zweiten Frau Shona seit gut 20 Jahren auf einem dreistöckigen Herrensitz von 1753 im eng­ lischen Wiltshire, in komfortabler Entfer­ nung zum Flughafen Heathrow. Auf die Pelle rückt ihm dort so schnell keiner, denn Ian Anderson ist der Musiker, der den „Locomotive Breath“ durch die Rockmusik keuchen lässt, im Gaukler­Frack auf einem Bein Bachs „Bourrée“ spielt und mit den Konzeptalben „Thick as a Brick“ 1 und 2 dem verblüfften Publikum ein Gesamtkunstwerk hinwirft. Im April wird er als Weltpremiere seine Musik mit dem kompletten Wupper­ taler Sinfonieorchester und der Kantorei Barmen Gemarke in der Stadthalle auffüh­ ren – alle drei Konzerte mit rund 170 Musi­ kern sind ausverkauft. Der gebürtige Schotte hat der Rockmusik die Querflöte beschert, obwohl er bei den ersten Auftritten gerade erst ein paar Wo­ chen geübt hatte. Als Komponist, Texter und Sänger hat er mit seiner Band Jethro Tull mehr als 60 Millionen Alben weltweit verkauft. Wenn man dem 67­Jährigen – zwei­ facher Vater und mehrfacher Großvater – abseits der Bühne begegnet, ist von über­ schäumender Fantasie nichts zu spüren. Man trifft einen dezent auftretenden Herrn, vielseitig interessiert und informiert, schließ­ lich schaltet er sich jeden Abend, auch nach Konzerten, durch die Nachrichtenkanäle. Lesen statt Party After­Show­Partys hat er nie gemacht, nicht mal mit Anfang 20, als Jethro Tull das erste Mal in den USA tourte: „Wir hatten das na­ türlich alles gehört von Groupies und Dro­ gen. Man muss dann einfach eine Entschei­ dung treffen: Will ich diesen sogenannten Rock‘n‘Roll­Lifestyle oder will ich das nicht? Tja, und aus Selbstschutz habe ich immer gedacht, es sei besser, wenn ich um elf mit einem Buch im Bett liege.“ International Ian Anderson | von Anne Grages 01.2015 26 01.201526

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