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Mina - Kulturmagazin - Vor der Wand Hausbesuch bei Gerhard Finckh

Leere Wände Gerhard Finckh ist als Direktor des Wuppertaler Von der Heydt-Museums von Meisterwerken umgeben. Doch welche Werke hängt der Aus- stellungsmacher privat auf? Herr Finckh, welche Bilder hängt ein Museumsdirektor zu Hause auf? Fast keine. Bilder habe ich ja im Museum genug – tagtäglich habe ich mit ihnen zu tun, mein Leben lang schon. IstdasnichteineseltsameLeere,wennSienachHausekommen? Nein, es ist mehr ein Freiraum. Es ist ja auch so: Wenn Sie täglich von Degas, Monet, van Gogh umgeben sind, wollen Sie nicht ir­ gendein Werk an der Wand haben – die ästhetischen Ansprüche steigen, man orientiert sich an den Spitzenwerten. Das hat leider Konsequenzen. Welche? FastalleWerke,diemirgefallenwürden,kannichmir nichtleisten. Ganz kahl sind Ihre Wände aber nicht. Ziemlich zentral hängt ein Plakatentwurf von Lawrence Carroll, einem australischen Maler, der in Los Angeles lebt. In den 90er­Jahren habe ich im Essener Folkwang­Museum eine Aus­ stellung mit ihm gemacht, ein Erinnerungsstück also. Dann habe ich noch zwei Drucke – zwei rote Stühle – von Sabine Moritz. Die habe ich gekauft, bevor sie die Ausstellung in Barmen hatte. Was muss ein Bild haben, damit Sie es in Ihre Wohnung auf- nehmen? Wenn es ein Motiv hat, dann sollte es zurückhaltend sein – der Lawrence Carroll etwa ist ziemlich schemenhaft. Dann sind wir auch formal eingeschränkt, weil wir schräge Wände und Glas­ fronten haben. Ich habe einige Bilder gekauft, die mich begeistert haben – sie sind mittelgroß, und ich finde dafür keinen Platz. Wann begeistert Sie ein Bild? Oft ziehen einen Bilder sofort an, bringen eine Seite in einem zum Schwingen. Doch bei solch einer Liebe auf den ersten Blick muss man vorsichtig sein: Oft ist das dann doch nur nett gemacht. Manche Bilder stoßen erst ab, man findet sie nicht eingängig. Sie offenbaren sich oft erst nach und nach. Man muss sich länger und auf mehreren Ebenen mit ihnen beschäftigen. Aber plötzlich helfen sie einem bei Fragen, die man ans Leben hat. Schauen Sie sich so ein Bild häufig an? Ja, der Carroll hängt direkt neben dem Sessel, da kann man sich schon reinversenken. Das Bild ist hauptsächlich grau­beige und hatdreischwarzeFlächen.ErstaufdieDauersiehtmandas,wasan Figuren und Geschichten im Grau­Beigen aufscheint. Oft kom­ men bei mir dann Assoziationen hoch, die mich ganz woanders hinführen, dazu nehme ich mir dann ein Buch … So kann ein Bild einen immer wieder überraschen. Vor der Wand Hausbesuch bei Gerhard Finckh | von Anne Grages 01.2015 8 01.20158

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