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Mina - Kulturmagazin

Beeinflusst es auch Ihre Stimmung? Anders herum: Der Eindruck hängt von meiner Stimmung ab. Wenn ich fröhlich bin, kann mir das Bild trist erscheinen; wenn ich matt bin, sage ich: Das hat aber Kraft. Bilder sind gute Partner, an denen man immer wieder etwas entdecken kann. Das ist fast wie bei Menschen, einige findet man fad, die haben sich schnell erledigt. Andere sind vielschichtig, da ent- deckt man auch nach zehn Jahren immer wieder etwas Neues. Dominierender als die Bilder in Ihrem Wohnzimmer ist jedoch das Bücherregal, das eine ganze Wand einnimmt. Lange war da nichts. Ursprünglich wollten meine Frau und ich die Wände nämlich unbedeckt lassen, mochten hier auch keine Bücher, weil sie immer an die Arbeit erinnern. Die weiße Wand haben wir lange genossen, allerdings waren unsere Bü- cher überall verstreut. Da haben wir uns ein großes Regal hin- gestellt, in dem ausschließlich Monographien stehen. Das ge- nieße ich jetzt richtig. Wie denn? Bücher sind wie ein Lebensmittel für mich. Mir gehen so viele Dinge im Kopf herum – dann gucke ich nach, stoße auf das nächste Interessante. Ich blättere in alten Katalogen, wie zum Beispiel vor 30 Jahren eine Rubensausstellung aufgebaut war, und stelle mal wieder fest, dass die alten Meister vor 30 Jahren noch viel großzügiger zu Ausstellungen geschickt wurden. Wenn man so will, ist das auch eine Art von Surfen durch die Kunstgeschichte. Natürlich habe ich auch einen Laptop, aber das Aufklappen und Hochfahren ist doch etwas anderes, als ein Buch zur Hand zu nehmen. Schlagen Sie oft etwas nach? Es ist wie ein ständiger Dialog. Bilder erzählen ja immer irgend­ etwas, da macht man sich einen Reim drauf und braucht dann wiederdieBücher,umzuschauen,wasdieanderendazumeinen. Welche Bücher lesen Sie denn gerne, wenn es keine Fach- bücher sein sollen? Die Sizilien-Krimis von Andrea Camilleri und die politischen Krimis von Wolfgang Schorlau – die sind sehr gut recherchiert. Im Moment lese ich von Hans Magnus Enzensberger „Tumult“ – seine Erinnerungen an die 60er, in denen er viel unterwegs war. Das Problem mit Büchern ist ja, dass sie sich immer gleich stapelweise vermehren. Wie ist ihr Gegenmittel, damit das Regal noch länger reicht? Man könnte sich von Büchern trennen – theoretisch. Freiraum statt Bilder- flut: Gerhard Finkh mag es schlicht in den eigenen vier Wänden Foto:AndreasFischer 01.20159

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