Wuppertaler Meisterwerke: Eine ironisch gemeinte Reverenz an den Kubismus

VG Bild-Kunst, Bonn, 2016

Wuppertal. Dem herausfordernden Blick dieser jungen Frau kann man sich kaum entziehen. Das „Mädchenbildnis“ von Auguste Herbin (1882 bis 1969) hat seit 1952 seinen festen Platz in der Sammlung des Von der Heydt-Museums. Eduard von der Heydt schenkte das Bild, das sein Vater August ihm vermacht hatte, damals dem Museum. Noch bis 28. Februar kann man es im ersten Obergeschoss der Ausstellung „Weltkunst – Von Buddha bis Picasso“ sehen.

Auguste Herbin, der aus Cambrai im Norden Frankreichs stammte, gilt seit den 30er Jahren, als sich die Gruppe „Abstraction- Création“ gründete, als wichtiger Vertreter der geometrischen Abstraktion, was sich in der Komposition des Porträts bereits andeutet.

1909 hatte er ein Atelier im legendären „Bateau-Lavoir“ unterhalb des Montmartre in Paris, wo Picasso, Georges Braque, Juan Gris und Otto Freundlich seine Nachbarn waren. Hier hatten Picasso und Braque wenige Jahre zuvor den Kubismus „erfunden“, und der Hut, den Herbins junge Frau trägt, mag wie ein kubistisch zersplittertes Gebirge als eine ironisch gemeinte Reverenz an den neuen Stil gedacht sein.

Aber auch die anderen Formen in diesem Bild sind keineswegs – wie man es von einer jungen Frau vielleicht erwarten würde – weich und gerundet, sondern kantig, zackig, die Umrisslinien kräftig betont, so wie es im Kreis der Nabis um Vuillard, Bonnard und Maurice Denis üblich war.

Der prüfende Blick stellt eine Barriere zum Betrachter her

Die Farben sind hart auf Kontrast gestellt: Die verschiedenen Blautöne des Hutes und der Kleidung der Frau stehen vor einem kräftigen Gelb, das streckenweise geradezu durch die Figur hindurch zu strahlen scheint und damit das Vorne und das Hinten miteinander verbindet, Figur und Bildraum zu einer Einheit verschmilzt. In diesem, ihrem Raum lockt uns die hübsche Unbekannte mit dem intensiven Blick ihrer blauen Augen, die gleichzeitig prüfend auch eine Barriere zum Betrachter herstellen.

Herbin, der vor allem durch seine abstrakten, geometrischen Werke bekannt wurde, versuchte sich in seinem künstlerischen Schaffen an vielen Stilen. Vom Postimpressionismus über den Fauvismus, den Kubismus bis zu einer wieder figurativen Phase der Neuen Sachlichkeit reicht sein Werk. Ab den späten 1920er Jahren arbeitet er bis zu seinem Tod 1960 ungegenständlich und etwickelt 1946 ein eigenes Kompositionssysthem names „alphabet plastique“.

Foto: VG Bild-Kunst, Bonn, 2016