Preis der Biennale geht an Etgeton

Foto: Christoph Mukherjee

Wuppertal. Der Preis der Wuppertaler Literatur Biennale ist begehrt: 149 jüngere Autoren aus dem deutschsprachigen Raum haben Erzählungen zum Thema „Utopie Heimat“ eingereicht. Den mit 3000 Euro dotierten Hauptpreis erhält Stefan Ferdinand Etgeton (27) für seine Erzählung „Gestern die Welt gestern“. Die mit jeweils 1000 Euro dotierten Förderpreise gehen an Helene Bukowski und Yannic Han Biao Federer. In der Jury saßen Dagmar Fretter von der Kunststiftung NRW, der Schriftsteller Michael Zeller, Dr. Katja Schettler vom Katholischen Bildungswerk, Professor Andreas Meier von der Bergischen Universität und der Bühnenliterat Jörg Degenkolb-Degerli.

Herr Etgeton, woher stammt Ihr Name?

Stefan Ferdinand Etgeton: Das werde ich häufiger gefragt, seitdem ich von zu Hause weg bin. Vorher war mir das gar nicht aufgefallen, der Name ist in Mettingen ganz populär – aber eben nur dort.

Die Erzählung „Gestern die Welt gestern“, mit der Sie den Preis gewonnen haben, ist noch nicht veröffentlicht. . .

Etgeton: Sie soll aber in der Literaturzeitschrift „Karussell“ erscheinen, passend zur Preisverleihung im Mai.

Worum geht es?

Etgeton: Zwei Brüder aus Deutschland reisen in ein kleines belgisches Dorf in der Nähe von Antwerpen, in dem ihre Eltern aufgewachsen sind. Alle Leute sind weg, alles verfällt, ist trist und verlassen.

Wann haben Sie das geschrieben?

Etgeton: Über Weihnachten. Da ging es in den Nachrichten um das belgische Atomkraftwerk Doel. Ich bin im Internet dann auf das Dorf Doel gestoßen, das tatsächlich leer steht, aber nicht wegen des Atomkraftwerks, sondern wegen der geplanten Hafenerweiterung. Die Szenerie fand ich spannend, die Geschichte habe ich dann relativ flott weggeschrieben.

In Ihrem ersten Roman „Rucksackkometen“ lehnen Sie sich stilistisch an Jack Kerouac und die Beatgeneration an. Bleiben Sie dem treu?

Etgeton: Ich habe vom Stil her versucht, das zu bewahren. Es bleibt also rauschhaft mit vielen Sinneseindrücken, alles ist ein bisschen chaotisch und vor allem enthusiastisch.

Das funktioniert auch, wenn die Protagonisten nicht dauernd unterwegs sind?

Etgeton: Der Stil ist mir wichtig. Mit meinem ersten Roman habe ich den MDR-Literaturwettbewerb gewonnen. Danach wollte ich wohl ein zweites Buch schreiben, aber das sollte natürlich megagut werden. Das wurde so ein Hemmnis, dass ich gar nichts mehr gemacht habe. Die Erzählung ist das erste, was ich wieder geschrieben habe. Vielleicht wird sie ja Teil von etwas Größerem.

Wie lange haben haben Sie für die Erzählung gebraucht?

Etgeton: Drei Stunden.

Das ist aber sehr schnell.

Etgeton: Ich habe auch ein Jahr ein Thema gesucht. Wenn ich mal auf dem richtigen Gleis bin, schreibe ich immer weiter.

Vom Studium her sind Sie Volkswirt. Wie verträgt sich das mit dem Rauschhaften Ihrer Geschichten?

Etgeton: Das ist eine gute Abwechslung. Ich bin Promotionsstudent, in meiner Doktorarbeit geht es um Mechanismen, Anreize und Armutsgefahren im Bereich der Rente. Wenn es mir damit reicht, fahre ich nach Hause und schreibe. Vielleicht lebe ich auch auf dem Papier und in der Fiktion aus, was mir sonst verboten ist.

Kommen sich die unterschiedlichen Denkarten – hier das Rationale, da das chaotisch Sinnliche – nicht in die Quere?

Etgeton: Es ist nicht einfach. Aber wenn man einen festen Job und keine Sorgen haben will, dass man ohne Geld dasteht, muss man wahrscheinlich akzeptieren, dass man nicht immer machen kann, was man eigentlich will.

Fühlen Sie sich denn mehr als Schriftsteller oder mehr als Volkswirt?

Etgeton: Das ist eine gute Frage. Ich schreibe auf jeden Fall die Promotion fertig. In zwei oder drei Jahren werde ich mich entscheiden müssen – dieses Doppelleben werde ich nicht ein Leben lang führen können.

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