Eintauchen in die Musik der Goldenen Zwanziger

Foto: Stefan Fries

Wuppertal. Die Ära der Goldenen Zwanziger in Berlin ist legendär. Eine Party oder Show-Revue nach der anderen machten die Großstadt zu einem ausgelassenen Tummelplatz. In den Unterhaltungsschuppen erklangen neben Schlager und Couplets auch Tanzmusiken wie Tango, Rumba und Paso Doble.

Und das alles ist keinesfalls unwiderrufliche Vergangenheit. Denn es gibt Max Raabe und das Palastorchester, die dieses frühe Disco-Zeitalter am Leben erhalten. Und das ist nur etwas für die Junggebliebenen. Alle Altersschichten frequentierten den so gut wie ausverkauften großen Saal der Stadthalle und erlebten äußerst kurzweilige, niveauvolle zwei Stunden.

Von der ersten Note an hatten Raabe und die zwölfköpfige Band das Publikum für sich vereinnahmt. „Von uns erfahren Sie nur die Wahrheit, jedenfalls im Kern“, verkündete der staatlich geprüfte Opernsänger zu Beginn unmissverständlich, bevor es um menschliche Beziehungen und Topfpflanzen ging.

Zivilisiert lehnte Raabe am Flügel und schritt nur nach vorne an die Rampe, wenn er seine Stimmbänder in Bewegung setzte. Er sang, säuselte, plapperte wie üblich genau so, wie es von den Schellack-Schätzchen her bekannt ist.

Altes aus der Epoche der Weimarer Republik kombinierte er geschickt mit neuen Stücken, wenn es unter anderem um das weibliche Geschlecht ging: „Frauen sind so schön“ oder „Dein ist mein ganzes Herz“. Oben, von der Empore, tönte er „Liebe war es nie“. Flugs bildete sich ein Gesangsquintett, um „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ zu bekennen.

Auch „In der Bar zum Krokodil“, „Mein Gorilla hat ‘ne Villa im Zoo“ und „Dort tanzt Lulu“ fehlten unter den insgesamt 28 Nummern nicht. Dazu war das Palast Orchester eine in allen Belangen mustergültige Big Band. Die feinen Arrangements spielte es hochsensibel.

Sehr nuanciert gingen die elf Musiker und die Geigerin mit ihren Instrumenten um. Die perfekte Saalbeschallung, die erstklassigen Lichteffekte und witzigen Videoeinspielungen taten ihr Übriges.

Dann war da ja noch die Sache mit den Topfpflanzen. Erst ganz zum Schluss – als zweite Zugabe – wurde klar, was damit gemeint war: die berühmte Anekdote um den kleinen grünen Kaktus. Die Zuschauer tobten vor Begeisterung und verlangten nach mehr. Die Herren auf der Bühne ließen sich nicht zweimal bitten: Das neue „Schlaflied“ war ein gemütvoller Kehraus.

Foto: Stefan Fries