Aufbegehren gehört zum Job

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Wuppertal. Auch für einen routinierten Theatermann wie Jens Kalkhorst kann der eigene Spielplan Überraschungen bieten. So war im Taltontheater in der abgelaufenen Spielzeit Lessings „Nathan der Weise“, damals wegen der Flüchtlingsfrage aktuell, ein beachtlicher Erfolg, den der Regisseur und Mitbegründer nicht unbedingt erwartet hatte.

Als Klassiker inszeniert er in der neuen Spielzeit Schillers „Räuber“: „Darin geht es ums Aufbegehren der Jugend gegen die herrschenden Strukturen. Angesichts von Jugendlichen, die sich in IS-Camps zu Selbstmordattentätern ausbilden lassen, lohnt die Überlegung, wie sich Jugendprotest heute artikuliert.“

Im Gegensatz zu anderen Bühnen
erhält das Theater keine Förderung

Aufbegehren gehört auch zum Aufgabenbereich des 40-jährigen Kalkhorst, der das Taltontheater 2004 mit Maurice Kaeber, David Meister und Angela del Vecchio gegründet hat. Denn im Gegensatz zu anderen Bühnen erhält das Theater an der Wiesenstraße bisher keinerlei Förderung von der Stadt, auch keinen Mietnach- oder -erlass für die Räume in dem städtischen Gebäude.

Oberbürgermeister Andreas Mucke (SPD) und Kulturdezernent Matthias Nocke (CDU) hätten in den jüngsten Gesprächen aber „verhalten optimistisch“ geklungen, dass sich das 2017 ändern könnte. „Ich nehme das als Wink. Zugesagt ist uns aber nach wie vor nichts“, sagt Kalkhorst. Außerdem ist ein Förderverein in Gründung, der andere Möglichkeiten des Spendensammelns hat.

Die drei erfolgreichsten Produktionen der vorigen Saison werden wieder aufgenommen: Größter Renner war das Musical „Die Piraten der Sparrow“ (die ersten Wiederaufnahme-Termine im Oktober sind schon ausverkauft), es folgen „Shakespeare und die Queen“ und „Gott des Gemetzels“. Auch die schwarzhumorige Komödie „Stars und Sternchen“ läuft weiter.

Sieben Premieren stellt das Taltontheater in der neuen Spielzeit wieder auf die Beine. Da die Darsteller zwar alle Schauspiel-Erfahrung mitbringen, aber neben ihren Brotjobs unentgeltlich auf der Bühne stehen, hat Kalkhorst das Ensemble auf 25 Mitglieder aufgestockt: „Das wird sonst zu viel für die Leute.“

Der Regisseur freut sich schon auf die „ebenso drollige wie rasante“ Komödie „Weihnachten auf dem Balkon“: „Wir haben zwei Balkone, zwölf Rollen und sechs Schauspieler, die sehr schnell den Balkon und die Rolle wechseln. Ich hoffe, dass wir das die nächsten drei Jahre spielen.“

Neu ist die Kooperation mit dem Trio-Theater aus Ennepetal, dessen Mitbegründer Robin Schmale seit zwei Jahren gelegentlich im Taltontheater spielt. Am 18. November hat Thrill me“ Premiere – originellerweise ein Zwei-Personen-Musical nach einem wahren Kriminalfall.

In der Komödie, die im Oktober am Karlsplatz eröffnet, sieht Kalkhorst keine Konkurrenz: „Das deckt sich nicht mit unserem Programm. Sie sind schon viel derber. Außerdem haben sie gesalzene Preisvorstellungen.“

Foto: Andreas Fischer