Strom des Lebends

Er ist – in chronologischer Reihenfolge – Offi- zierssohn, Gründer der legendären Folkrock- Band Hoelderlin sowie einer der wichtigen Farb-Maler: Christian von Grumbkow. „Ich male keine Botschaft, keine Gedanken, ich male Farbe“, fasst er seine Kunst zusammen. Das hört sich schlicht an, dahinter eröffnet sich jedoch ein großer Reichtum an Bildwir- kungen, Stimmungen, Assoziationen. „Sie denken, das ist eine Wasserfläche vor einem Horizont“, von Grumbkow weist in seinem geräumigen Atelier in der alten Hupperts- bergfabrik auf ein Werk an der Wand. „Aber das ist nicht das, was ich gemalt habe. Ich wecke Assoziationen, ohne dass ich eine konkrete Landschaftssituation male.“ Energie und Optimismus strömen aus seinen jüngsten Großaufträgen: der 12,50 Meter breiten „Appassionata“ im Foyer der Bar- menia-Hauptverwaltung, über drei Etagen erstrecken sich die zehn Meter hohen „Life Streams“ im Foyer der Volkswohl-Bund Ver- sicherungen in Dortmund.

Doch seine Bilder entstehen nicht aus der schieren Freude am Umgang mit Farbe: „Ich reagiere auf Dinge, die in der Welt passieren. Ich transportiere Emotionen, die in dem Moment wichtig sind – ich kann gar nicht anders. Ich fange chaotisch an und  dimme sie dann von der ersten Emotionalität weg. Es muss ja nicht jeder mitkriegen, wie ich mich gerade fühle.“

„Die Grumbkows werden entweder Offiziere oder Rechtsanwälte“, hat es in seiner Familie geheißen. Künstler und Kriegsdienstverwei- gerer waren nicht vorgesehen. „Dass ich mich schon als 15-Jähriger so gegen diese Muster wehren musste, hat mir das nötige Rüstzeug fürs Leben mitgegeben“, sagt er. Ironie der Geschichte: Sein Sohn ist wieder Offizier geworden.

Christian von Grumbkow war Meisterschüler bei Rudolf Schoofs, hat aber parallel dazu 1970 mit seinem Bruder Joachim und seiner späteren Frau Nanny de Ruig die Band Hoel- derlin gegründet – „ob Musik oder Malerei, ich hatte immer das Gefühl, ich habe etwas zu erzählen“. Der Erfolg kam schnell und hielt über Jahre an. „Wir haben viele Kon- zerte gespielt, waren oft im Fernsehen und dauernd unterwegs. Aber ich hatte dann eine Frau und kleine Kinder, und ich habe mich irgendwann gefragt: ,Was machst du hier eigentlich? Du bist doch Maler.‘“ 1977 ist er deshalb als aktiver Musiker ausgestie- gen, hat aber bis zur Auflösung der Band 1982 weiter Texte und Musik geschrieben und natürlich die Plattencover entworfen. Seine Bilder sind bis heute in Ausstellungen und auf Messen in Deutschland, Europa und den USA vertreten. Von seinen Lehrauf- trägen in den USA hat sich von Grumbkow mittlerweile zurückgezogen: „Ich wollte mehr Urlaub machen, das Haus umbauen, die Enkel sehen – ich bin gerne Opa.“ 75 Jahre wird er im November alt – was man nicht vermutet, wenn man sieht, wie gelenkig sich der schlanke Mann durch sein Atelier bewegt. „Ich mache Yoga, gehe viel zu Fuß und ab und zu mal schwimmen.“ Vor zwei Jahren hat er Ayurveda entdeckt, verzich- tet seitdem auf Kaffee und Alkohol: „Das bekommt mir gut.“

Der Künstler fühlt sich der Stadt verbunden, in der er seit Kindertagen lebt, und findet immer wieder Möglichkeiten, ihr etwas zu- rückgeben. Seit Januar verfolgt er das Pro- jekt „Kunst kann helfen“: Er bietet für Preise zwischen 60 und 250 Euro Kunstdrucke sei- nes Werks „Soul Flight“ an, der Erlös fließt in Deutschunterricht für unbegleitete Flücht- lingskinder in der Alten Feuerwache.

Gerade arbeitet er an einem Film, der Wup- pertal von seinen besten Seiten und mit seinen Weltmarktführern zeigen soll: „Wir machen aber keinen Werbefilm über die Firmen, sondern über die Stadt. Den können sie jedoch auch auf Messen und fürs Anwer- ben von Mitarbeitern nutzen.“

Er hat ein Komplettpaket geschnürt: Zehn große Firmen bringen sich ein – „ich habe ja gute Kontakte zu vielen Vorständen, weil meine Arbeiten da hängen“. Die Tänzerin  Jo Ann Endicott, der Jazzer Peter Brötzmann, die Gartengestalterin Anja Maubach und das TiC machen auch mit. Wuppertal Marketing, die Uni und Wirtschaftskreise unterstützen das Projekt, das er mit Peter Schaul entwi- ckelt. Der Münchner Regisseur hat unter anderem den Imagefilm für die Kulturhaupt- stadt Ruhr gemacht und steht „für eine sehr bewegliche Bildsprache“, sagt der Maler.

„Das wird mich im nächsten halben Jahr be- schäftigen.“